Das Buch „Der Leopoldstädter Tempel“

Hermann David Karplus
Der Leopoldstädter Tempel
Eine Dokumentation

Die Geschichte des Synagogenbaus, eine prägende Epoche der jüdischen Geschichte Wiens

November 2025, 664 Seiten,
mit 18 Abb. in s/w, gebunden,
zahlreiche Abbildungen online abrufbar, Deutsch
Print: ISBN 978-3-7001-8634-2
Online: ISBN 978-3-7001-9344-9
Preis: € 49,–
epub.oeaw.at/8634-2
In diesem aufschlussreichen Werk zeichnet Hermann David Karplus ein detailliertes Bild des jüdischen Lebens im Wien des 19. Jahrhunderts. Anhand neu entdeckter Archivmaterialien untersucht er die sozialen Verhältnisse der jüdischen Gemeinde, die Geschichte des Synagogenbaus und die bemerkenswerten Kontroversen um rituelle Praktiken – darunter die Debatte darüber, ob während des Gottesdienstes Orgelmusik gespielt werden sollte. Das Buch enthält auch biografische Skizzen wichtiger Persönlichkeiten der Gemeinde: Rabbiner, Prediger, Kantoren und andere Amtsträger, die eine prägende Epoche der jüdischen Geschichte Wiens lebendig werden lassen. Karplus' sorgfältige Recherchen brachten Dokumente und Baupläne ans Licht, die einst als verloren galten und nun in den Archiven der Jüdischen Gemeinde Wien in Jerusalem wiederentdeckt wurden.
Gedruckt mit Unterstützung durch
sowie durch

Bedeutung der Synagoge in der Tempelgasse

Die Synagoge in der Tempelgasse in Wien, errichtet zwischen 1855 und 1858 nach Entwürfen von Ludwig Förster, markierte einen Wendepunkt hinsichtlich der jüdischen Emanzipation sowie in der Architekturgeschichte jüdischer Sakralbauten. In der Leopoldstadt, einem ehemaligen Vorort Wiens, seit 1850 als dessen 2. Gemeindebezirk eingemeindet, lebte der Großteil der Wiener Juden. Dort befand sich in einer engen Straße der Standort des Bauwerks, die erste monumentale Nachbildung des salomonischen Tempels, die als Synagoge genutzt wurde – ein Schritt, der aus jüdischer Sicht ziemlich umstritten war und die Haltung der zeitgenössischen reformjüdischen Gemeinden widerspiegelt. Der Leopoldstädter Tempel war ein bedeutendes Zentrum des religiösen, kulturellen und spirituellen Lebens der Wiener Juden. 1938 wurde die Synagoge während des Novemberpogroms zerstört, heute ist nur eines der zwei Verwaltungsgebäude erhalten.

Der Weg der jüdischen Gemeinde zu einem so bemerkenswerten Gebäude war lang und voller Wendungen. Das Manuskript von Dr. Hermann Karplus erzählt von der Situation der Juden in Wien, bietet eine detaillierte Bau-Chronik des Gebäudes, berichtet über den äußerst interessanten Kultusstreit, den Kampf um die Orgel und stellt die wichtigsten Persönlichkeiten der Gemeinde vor – Rabbiner und Prediger, Kantoren, Tempelkommissare.

Dr. Hermann David Karplus
1945–2015

Der Autor

Dr. Hermann Karplus erfuhr erstmals von den jüdischen Wurzeln seiner Familie im Alter von ungefähr 17 Jahren, als sein Vater, der Bauingenieur Hermann Martin Karplus, die Familie zusammenrief, um ihm und seinen beiden Schwestern dies mitzuteilen. Er berichtete zudem von einer verloren gegangenen Kopie des Familienstammbaums, die aus Angst vor den Nationalsozialisten zerstört worden war und die Spuren der Familie bis ins 16. Jahrhundert, möglicherweise bis zur Vertreibung der Juden aus Spanien, dokumentiert hatte.

Diese Offenbarung veranlasste ihn, wieder den jüdischen Glauben anzunehmen und markierte den Beginn der Reise des Autors zu seinen Wurzeln, sowohl im Mikrokosmos seiner Familie (deren Stammbaum er schließlich außerordentlich akribisch rekonstruierte) als auch im größeren Kontext der jüdischen Gemeinschaft. Dr. Hermann Karplus stammte aus einer bedeutenden jüdischen Familie aus Osoblaha (Hotzenplotz) in der Region Opava (Troppau) in Schlesien-Mähren – ein Gebiet der k.u.k. Monarchie, heute Teil der Tschechischen Republik. Heinrich Alexander Karplus, der Urgroßvater des Autors und ebenfalls Bauingenieur, erlangte Bekanntheit im österreichischen Eisenbahnwesen und wurde mit den Titeln Hofrat und Oberbaurat geehrt.

Dieses Buch ist das Ergebnis persönlicher Entschlossenheit, des Glaubens an die eigene Sache und unermüdlicher Bemühungen – ein wahres Arbeitswerk der Liebe. Das Streben nach Vollendung gab dem Autor die Kraft zu leben, bis das Werk fertiggestellt war. Dr. Hermann Karplus begann mit dem Projekt nach seinem ersten schweren Herzanfall und verfolgte seine Mission unermüdlich bis zum Ende seines Lebens. 2015 verstarb er nur wenige Monate nach Fertigstellung seines Manuskripts, im zehnten Jahr seiner Herzkrankheit.

Ich wollte posthum den größten Wunsch meines Mannes erfüllen: Sein Buch über den Tempel soll erscheinen und so viele Menschen seine Leidenschaft für dieses Stück jüdische Geschichte teilen können.

Dalia Feuchtwanger-Karplus

Impressum: Verein zur Erinnerung an Dr. Hermann Karplus durch Veröffentlichung seines Buches über den Leopoldstädter Tempel in der Tempelgasse in Wien
ZVR-Zahl 1445788775 · Schwindgasse 7/8, 1040 Wien · office@tempel-leopoldstadt.com

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